Vom Aussehen her, ja, da würde man schon denken, dass Feuchtigkeit die Sachen gesprengt hat. Bloß passt das eigentlich überhaupt nicht. Zum einen, wo soll die Feuchtigkeit denn hergekommen sein? Normalerweise ist es doch kein Problem, direkt nach dem Brennen alles in den Ofen zu stellen und zu brennen und an3010 hat damit ja sogar noch 16 Stunden gewartet. Ich habe nur ein einziges Mal einen solchen Bruch bei Keramik gesehen, die vorher geschrüht war, und da hatte das Stück stundenlang in Kupfersulfatlösung gelegen und dann fast direkt in den Ofen gestellt worden, war also vorher komplett durchnässt. Der Feuchtigkeitseintrag beim Glasieren ist doch viel geringer.
Zu schnelles Hochheizen würde ich bei einem Glasurbrand ebenfalls ausschließen. 1. wird der alte Ofen gar nicht so viel Leistung haben, dass er das hinbekommen würde. 2. ist es beim Raku z.B. doch so, dass man völlig problemlos innerhalb einer Stunde auf 1000° geht.
Außerdem passt es weder zur Hochheizgeschwindigkeits-, noch zur Feuchtigkeitstheorie, dass nicht alles schön zusammengebacken ist. Denn da wäre alles während des Aufheizens gesprengt worden und da die Glasur bekanntlich erst zum Höhepunkt des Brandes ausschmilzt, müsste in diesem Fall alles Glasierte aneinanderpappen. Tut es aber nicht, man sieht einen losen Trümmerhaufen, scharfkantig noch dazu, also hat der Bruch beim Abkühlen stattgefunden. Zu schnelles Abkühlen kann man aber wieder ausschließen, das geht gar nicht bei einem geschlossenen Ofen.
Mir fällt als Fehlerquelle eigentlich nur ein, dass du eventuell viel zu dick glasiert hast. Streichglasuren sind nicht zum Gießen gedacht. Vor allem die Innenseiten, da muss man selbst mit Glasuren, die zum Gießen gedacht sind, schon aufpassen, dass die Schicht nicht zu dick wird. Das kann ein Gefäß durchaus zerreißen, ist mir auch schon passiert. Also, du hast die Streichglasur reingegossen, die hat sich ganz dick abgesetzt, du hast sogar noch nachgepinselt, nochmal dicker. Außen aber nur aufgepinselt, also normaler Glasurauftrag. Das gibt ebenfalls Spannungen. Verstärkt dann eventuell noch durch ein nicht besonders gut zum Ton passendes Wärmeausdehnungsverhalten der Glasur.
Dieser Bruch ereignet sich beim Abkühlen, die Glasur muss dafür schon erstarrt sein. Es würde also eigentlich alles passen. Außer, dass du schreibst, dass ein paar Stücke doch zusammenkleben.
